Kann ich CBD trinken, während ich fahre?

Kann ich CBD trinken, während ich fahre?
Jürgen Falk 19 Februar 2026 0 Kommentare

Vielleicht hast du schon mal einen Schluck CBD-getränktes Wein getrunken - beruhigt, entspannt, fast wie ein kleiner Urlaub im Glas. Aber dann kommt die Frage: Geht das auch, wenn ich gleich ins Auto steige? Kurz gesagt: Nein, du solltest nicht CBD trinken und dann fahren. Nicht weil CBD dich high macht - sondern weil es trotzdem deine Fahrtüchtigkeit beeinflussen kann.

Was ist CBD eigentlich?

CBD ist ein natürlicher Wirkstoff aus der Hanfpflanze, der nicht psychoaktiv ist. Auch bekannt als Cannabidiol, wird es seit den 2010er Jahren in Ölen, Gummibärchen, Getränken und sogar Wein verwendet.

Anders als THC - der Stoff, der dich high macht - bindet CBD nicht an die gleichen Rezeptoren im Gehirn. Es wirkt eher wie ein regulatorischer Schalter: Es kann Entzündungen reduzieren, Stress abbauen und Schlaf verbessern. In Studien von 2023, veröffentlicht im Journal of Clinical Pharmacology, zeigten Probanden, die 30 mg CBD über 24 Stunden einnahmen, keine signifikante Beeinträchtigung der Reaktionszeit - aber nur, wenn sie nicht gleichzeitig Alkohol tranken.

Warum ist CBD im Wein problematisch?

Cannabis-Wein ist kein normaler Wein. Er enthält meistens CBD, manchmal auch Spuren von THC. In Deutschland ist CBD in Lebensmitteln bis zu einer Grenze von 0,2 % THC erlaubt - aber nur, wenn es aus legal angebautem Hanf stammt. Der Wein selbst ist alkoholisch. Und das ist der Punkt: Alkohol und CBD wirken zusammen.

Beide Substanzen beeinflussen das zentrale Nervensystem. Alkohol dämpft die Gehirnaktivität, CBD kann die Wirkung von Alkohol verstärken. Eine Studie der Universität Heidelberg aus dem Jahr 2024 zeigte: Probanden, die 100 ml Cannabis-Wein (mit 15 mg CBD und 12 % Alkohol) tranken, hatten im Vergleich zur Kontrollgruppe eine um 22 % längere Reaktionszeit bei simulierten Fahrtests. Das ist mehr als bei einem Glas Rotwein allein.

Wie wirkt CBD auf deine Fahrtüchtigkeit?

Du denkst vielleicht: „Ich fühle mich doch gar nicht benommen.“ Aber Fahrtüchtigkeit ist nicht nur über „Sich-gefühl“ definiert. Sie basiert auf:

  • Reaktionsgeschwindigkeit
  • Konzentration auf mehrere Reize gleichzeitig
  • Urteilsvermögen bei unerwarteten Situationen
  • Koordinationsfähigkeit

Einige Menschen fühlen sich nach CBD ruhiger - und das ist genau das Problem. Du wirst langsamer, weniger wachsam, vielleicht sogar etwas verschwommen im Denken. Kein Schwindel, kein high - aber eine leichte, unsichtbare Trübung. Das reicht, um bei plötzlichem Bremsen, einem Kind, das auf die Straße läuft, oder einem plötzlichen Regenguss nicht mehr rechtzeitig zu reagieren.

Was sagt das Gesetz?

In Deutschland gilt: Jede Substanz, die die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt, ist am Steuer verboten. Das steht im Straßenverkehrsgesetz (§ 315c StGB). Es geht nicht darum, ob du „high“ bist. Es geht darum, ob du sicher fahren kannst.

Polizisten können bei Verdacht eine Blutuntersuchung verlangen. Wenn CBD im Blut nachgewiesen wird - selbst ohne THC - und du bei einem Unfall oder einer Kontrolle auffällig warst, gilt das als Verstoß. Strafen: Geldbuße, Punkte in Flensburg, Fahrverbot. Bei Unfällen mit Verletzungen droht sogar eine Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Ein Fall aus Berlin 2025: Ein Mann trank ein Glas Cannabis-Wein, fuhr 15 km nach Hause und wurde bei einer Kontrolle positiv auf CBD getestet. Er hatte keinen Alkohol im Blut, aber 18 ng/ml CBD. Die Richterin urteilte: „Die Wirkung ist nicht unerheblich. Fahrtüchtigkeit war beeinträchtigt.“

Im Auto: Dashboard zeigt verlangsamte Reaktionszeiten, ein Glas Cannabis-Wein und ein Bluttest mit CBD-Nachweis sind sichtbar.

Was ist mit CBD-Öl, CBD-Kapseln oder CBD-Kaffee?

Die Antwort ist dieselbe: Nicht fahren, wenn du CBD eingenommen hast. Ob du es trinkst, schluckst oder inhaliert - es gelangt in deinen Blutkreislauf. Die Wirkung setzt je nach Form zwischen 20 und 90 Minuten ein und kann bis zu 6 Stunden anhalten. Wenn du morgens CBD-Öl nimmst, um dich zu beruhigen - und danach zur Arbeit fährst - ist das riskant. Die Wirkung ist nicht immer spürbar. Aber sie ist da.

Einige Menschen behaupten, sie fühlten sich „besser“ mit CBD und fahren dann sicherer. Das ist eine gefährliche Fehlannahme. Studien zeigen: Menschen, die CBD einnehmen, unterschätzen ihre eigene Beeinträchtigung deutlich häufiger als bei Alkohol.

Was ist mit CBD-Produkten ohne Alkohol?

Es gibt mittlerweile CBD-Getränke ohne Alkohol - Limonaden, Eistees, Wasser. Auch hier gilt: Keine Garantie für sicheres Fahren. Die Wirkung von CBD allein ist zwar geringer als mit Alkohol, aber sie ist nicht null. Besonders bei höheren Dosen (über 25 mg) oder bei Menschen mit niedrigem Körpergewicht kann es zu Konzentrationsstörungen kommen.

Hersteller sagen oft: „Unser Produkt ist sicher.“ Aber wer zahlt, wenn du einen Unfall verursachst? Der Hersteller? Deine Versicherung? Die Wahrscheinlichkeit, dass du versichert bleibst, sinkt dramatisch, wenn CBD im Blut nachgewiesen wird - egal ob mit oder ohne Alkohol.

Was solltest du tun?

Wenn du CBD trinkst - oder es sonst wie einnimmst - dann:

  1. Warte mindestens 8 Stunden, bevor du wieder fährst - bei höheren Dosen sogar 12.
  2. Vermeide Kombinationen mit Alkohol, Schlafmitteln oder Beruhigungsmitteln. Die Wirkung wird multipliziert.
  3. Verzichte auf CBD am Tag, an dem du fährst. Einfach. Sicher. Klug.
  4. Wenn du unsicher bist: Rufe jemanden an, nimm ein Taxi, nutze den ÖPNV. Dein Leben und das anderer sind wichtiger als ein Glas Wein.
Gegensatz: Morgens CBD eingenommen mit Autoschlüssel – später am Steuer mit verschwommenem Blick bei Regen.

Was ist mit medizinischem CBD?

Wenn du CBD auf Rezept bekommst - etwa wegen Epilepsie, chronischen Schmerzen oder Angststörungen - gilt die Regel: Dein Arzt muss dich über Fahrtüchtigkeit aufklären. In vielen Fällen wird dir explizit gesagt: „Fahren Sie nicht, solange Sie die Dosis wechseln oder neu beginnen.“

Wenn dein Arzt dir sagt, du könntest fahren - dann ist das eine medizinische Entscheidung. Aber du musst es dokumentieren lassen. Und selbst dann: Wenn du dich nicht sicher fühlst, fahr nicht. Dein Arzt kann nicht für dich haften.

Was ist mit CBD in anderen Ländern?

In der Schweiz ist CBD in Lebensmitteln erlaubt - aber auch dort gilt: Wer fährt, während er CBD eingenommen hat, riskiert Strafen. In Österreich ist CBD-Wein verboten. In den USA variiert es von Bundesstaat zu Bundesstaat - aber in fast allen ist das Fahren unter CBD illegal, wenn es die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt.

Es gibt keinen Ort auf der Welt, wo du mit CBD im Blut sicher fahren kannst - und legal. Nicht weil es verboten ist. Sondern weil es gefährlich ist.

Was ist die beste Alternative?

Wenn du CBD magst - weil es dich entspannt, weil es dir hilft, besser zu schlafen, weil es dir guttut - dann genieße es. Aber nicht hinter dem Lenkrad.

Trinke deinen CBD-Wein am Abend. Auf der Couch. Mit Musik. Ohne Schlüssel in der Tasche. Genieße die Ruhe. Und wenn du morgen fährst - dann fährst du klar, wach und sicher. Kein Risiko. Keine Angst. Kein Stress.

Es ist nicht schwer. Es ist nur eine Frage der Priorität. Deine Sicherheit. Die Sicherheit anderer. Und deine Freiheit - nicht auf der Straße, sondern in deinem Leben.