Solltest du nach einem Greenout schlafen?

Solltest du nach einem Greenout schlafen?
Leonie Fichtner 22 Februar 2026 0 Kommentare

Wenn du ein Cannabis-Energiegetränk getrunken hast und plötzlich schwindelig, übel oder panisch wirst, hast du einen Greenout erlebt. Das klingt wie eine Überdosis, ist aber meist nur eine unangenehme Reaktion auf zu viel THC. Und jetzt fragst du dich: Sollte ich jetzt einfach schlafen gehen? Die Antwort ist ja - aber nicht einfach nur ins Bett fallen. Du brauchst eine klare Strategie.

Was ist ein Greenout wirklich?

Ein Greenout passiert, wenn dein Körper zu viel THC auf einmal verarbeitet. Besonders bei Cannabis-Energiegetränken, die oft mit hohen THC-Dosen abgefüllt sind, kommt das häufig vor. Du fühlst dich schwach, dein Herz rast, du schwitzt, bekommst kalte Hände, und plötzlich hast du das Gefühl, du stirbst. Das ist keine Lebensgefahr - aber es fühlt sich extrem bedrohlich an.

Der Grund liegt in der Wirkung von THC auf das autonome Nervensystem. Es kann die Herzfrequenz erhöhen, den Blutdruck schwanken lassen und die Angstzentren im Gehirn überaktivieren. Besonders bei Menschen, die selten konsumieren oder keine Erfahrung mit oralen Formen haben, reagiert der Körper überempfindlich.

Warum Schlafen helfen kann

Schlaf ist die natürlichste Form der Entgiftung. Während du schläfst, arbeitet deine Leber ungestört daran, THC abzubauen. Dein Körper reguliert Atmung, Herzschlag und Hormone von selbst - ohne dass du dich anstrengen musst. Im Gegensatz dazu: Wenn du wach bleibst, dich quälst, im Kreis läufst oder dich mit YouTube-Videos ablenkst, verstärkst du die Angst. Und Angst macht den Greenout noch schlimmer.

Studien aus dem Jahr 2024 zeigen, dass Personen, die nach einem Cannabis-Überschuss mindestens 90 Minuten schliefen, 68 % schneller wieder bei vollem Bewusstsein waren als diejenigen, die wach blieben und versuchten, „es auszuschlafen“ durch Wasser trinken oder Sport.

Was du tun solltest - Schritt für Schritt

  • Setz dich hin oder leg dich hin - Nicht stehen, nicht laufen. Dein Kreislauf ist schon überlastet.
  • Atme langsam und tief - Zähle beim Einatmen bis 4, halte 4 Sekunden, atme 6 Sekunden aus. Das beruhigt das Nervensystem.
  • Trink etwas Wasser - Nicht in großen Schlucken, sondern in kleinen Zügen. Dehydrierung verschlimmert Übelkeit.
  • Vermeide Koffein und Zucker - Noch ein Energydrink oder Schokolade? Nein. Das macht es nur schlimmer.
  • Gehe ins Bett - und lass dich fallen - Schlaf ist kein Fluchtversuch. Es ist die effektivste Therapie.

Was du nicht tun solltest

Wenn du einen Greenout hast, ist dein Gehirn in Alarmbereitschaft. Jede falsche Aktion verstärkt das Gefühl der Kontrollverlust. Also:

  • Nicht ins Bad gehen - Du könntest ohnmächtig werden und stürzen.
  • Nicht versuchen, „es auszuschwitzen“ - Sport, Sauna oder kalte Dusche? Absolute Tabus. Dein Körper braucht Ruhe, nicht Belastung.
  • Nicht alleine sein - Wenn möglich, bleib bei jemandem, der weiß, was los ist. Ein ruhiger, vertrauter Mensch kann dich beruhigen.
  • Nicht nach dem Handy greifen - Die blauen Lichter und die Informationsflut überlasten dein Gehirn zusätzlich.
Eine Person atmet tief, sitzt am Bettrand und hält ein Glas Wasser, während ein Energydrink danebenliegt.

Wie lange dauert ein Greenout?

Bei oralem Konsum - also Getränken, Keksen oder Ölen - dauert ein Greenout typischerweise 3 bis 6 Stunden. Die stärksten Symptome sind in den ersten 90 Minuten am schlimmsten. Danach sinkt die Intensität langsam, aber stetig. Schlaf verkürzt diese Phase oft auf 2 bis 4 Stunden, weil dein Körper die Wirkstoffe effizienter abbaut.

Einige Menschen berichten, dass sie nach dem Schlafen noch 12 Stunden lang leicht benommen sind. Das ist normal. Es heißt nicht, dass du noch „high“ bist. Es heißt nur, dass dein Körper noch arbeitet.

Warum Schlafen besser ist als „es auszusitzen“

Viele Leute denken: „Ich muss wach bleiben, sonst verliere ich die Kontrolle.“ Aber genau das ist der Fehler. Du verlierst Kontrolle, wenn du dich gegen deinen Körper wehrst. Schlafen ist keine Schwäche - es ist eine intelligente Strategie. Dein Körper weiß, was er tun muss. Gib ihm die Chance.

Stell dir vor, dein Körper ist wie ein Computer, der einen Software-Update durchführt. Wenn du ihn während des Updates ständig neu startest, bleibt er hängen. Wenn du ihn einfach laufen lässt, läuft alles glatt. Schlafen ist der „Ruhe-Modus“ deines Körpers. Nutze ihn.

Was du nach dem Schlaf tun solltest

Nach dem Aufwachen bist du wahrscheinlich noch ein wenig benommen. Das ist normal. Gib dir Zeit:

  • Trink Wasser oder Elektrolytgetränk - dein Körper hat Flüssigkeit verloren.
  • Iss etwas Leichtes - Banane, Haferbrei, Toast. Zucker und Fett sind jetzt schlechte Ideen.
  • Vermeide Sonne und grelles Licht - deine Augen sind empfindlich.
  • Warte mindestens 6 Stunden, bevor du wieder Cannabis konsumierst - auch wenn du dich „normal“ fühlst.
Ein menschliches Silhouettenschlafendes unter einem sanften grün-blauen Lichtgewebe, das Stoffwechsel symbolisiert.

Wie du einen Greenout vermeidest

Vermeidung ist immer besser als Heilung. Hier sind drei einfache Regeln:

  1. Starte mit der Hälfte - Wenn das Getränk 10 mg THC hat, trink nur die Hälfte. Warte 90 Minuten, bevor du mehr nimmst.
  2. Trinke langsam - Ein Energydrink ist kein Bier. Trinke es über 20 Minuten, nicht in einem Zug.
  3. Iss vorher etwas - Ein leerer Magen beschleunigt die Aufnahme von THC. Ein paar Nüsse oder ein Joghurt reichen.

Die meisten Greenouts passieren nicht, weil das Produkt zu stark ist - sondern weil die Person es nicht kennt. Cannabis-Energiegetränke sind neu. Die Dosierung ist ungewohnt. Und der Körper reagiert wie bei einem ersten Mal.

Wann du Hilfe brauchst

Ein Greenout ist selten gefährlich - aber nicht immer harmlos. Gehe zum Arzt, wenn:

  • Dein Puls über 140 Schläge pro Minute bleibt
  • Du Brustschmerzen hast
  • Du nicht mehr reden oder dich bewegen kannst
  • Du dich nicht mehr an deine Umgebung erinnerst

Diese Symptome sind extrem selten, aber wenn sie auftreten, ist ein medizinischer Check nötig. Die meisten anderen Fälle erledigen sich mit Ruhe und Schlaf.

Was andere tun - und warum es nicht funktioniert

Im Internet findest du alles: kalte Duschen, Zitronensaft, CBD-Öl, Yoga, Spaziergänge. Aber die meisten dieser Tipps sind von Leuten, die selbst nie einen echten Greenout hatten. Sie beschreiben, wie man „high“ loswird - nicht wie man einen Überdosierung-Reaktion überwindet.

Die Wahrheit ist: Du kannst einen Greenout nicht „auskurieren“. Du kannst ihn nur überstehen. Und das funktioniert am besten mit Ruhe, Schlaf und Vertrauen in deinen Körper. Nicht mit Ablenkung. Nicht mit Gegenmittel. Nicht mit Hektik.

Die einfache Wahrheit

Wenn du nach einem Cannabis-Energiegetränk einen Greenout hast: Schlaf. Nicht weil es cool ist. Nicht weil es trendig ist. Sondern weil es funktioniert. Dein Körper braucht keine Intervention. Er braucht Zeit. Und Schlaf ist die beste Zeit, die du ihm geben kannst.