Wenn du Cannabis anbaust, hast du dich vielleicht schon gefragt: Can you lollipop cannabis during flowering? Die Antwort ist einfach: Ja, aber nur mit Bedacht. Lollipopping ist keine Standardmethode - sie ist eine gezielte Technik, die nur unter bestimmten Bedingungen sinnvoll ist. Wenn du sie falsch anwendest, kannst du deine Ernte schädigen. Wenn du sie richtig anwendest, bekommst du dichtere, stärkere Blüten an den oberen Knospen.
Was ist Lollipopping?
Lollipopping bedeutet, die unteren Äste und Blätter einer Cannabis-Pflanze während der Blüte zu entfernen. Der Name kommt von der Form: Nach dem Beschneiden sieht die Pflanze aus wie ein Lutscher - ein dicker, blühender Kopf oben und ein kahler Stamm darunter. Der Gedanke dahinter ist, dass die Pflanze ihre Energie nicht in Teile investiert, die wenig Licht bekommen, sondern nur in die Spitzen, die das volle Sonnenlicht oder das Licht der Grow-Lampe erhalten.
Diese Methode wird besonders in Indoor-Anlagen eingesetzt, wo Licht eine knappe Ressource ist. In einem Raum mit 600-Watt-HPS-Lampe oder einer LED-Panel-Anlage ist es sinnvoll, das Licht dort zu konzentrieren, wo es am meisten Nutzen bringt: bei den oberen Knospen. Die unteren Äste bekommen kaum Licht, verbrauchen aber Energie und Luftfeuchtigkeit - und sind oft anfällig für Schimmel und Pilze.
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Der beste Zeitpunkt für Lollipopping liegt in den ersten 10-14 Tagen der Blütephase. Zu diesem Zeitpunkt hat die Pflanze bereits begonnen, ihre Blüten zu bilden, aber die unteren Äste sind noch nicht vollständig ausgereift. Wenn du zu früh beschneidest, verlierst du noch potenzielle Blüten. Wenn du zu spät bist, hat die Pflanze bereits Energie in diese Teile gesteckt - und das Beschneiden stresst sie unnötig.
Ein praktischer Merksatz: Wenn du die unteren Blätter mit den Fingern berührst und sie sich leicht abknicken lassen, sind sie bereit für den Schnitt. Wenn sie noch fest und grün sind, lass sie noch ein paar Tage. Wenn sie bereits gelblich oder kraftlos wirken, solltest du sie entfernen - aber nicht erst, wenn die Blüte schon drei Wochen läuft.
Wie macht man es richtig?
Es geht nicht darum, alles abzuschneiden, was nicht nach oben zeigt. Es geht darum, gezielt zu reduzieren. Hier ist eine einfache Anleitung:
- Wasche deine Schere oder dein Messer mit Alkohol - Keime können sich leicht auf Schnittstellen ausbreiten.
- Entferne alle Blätter, die unterhalb der mittleren Hälfte der Pflanze liegen.
- Schneide alle dünnen, schwachen Äste ab, die nicht direkt zum Hauptstamm führen.
- Behalte nur die starken, gut belichteten Zweige, die direkt unterhalb der obersten Knospen sitzen.
- Vermeide es, den Hauptstamm oder die Hauptknospen zu berühren.
Ein guter Ansatz: Wenn du die Pflanze von unten ansiehst, solltest du nur noch den Stamm und die obersten 30-40 cm mit Blüten sehen. Alles darunter ist weg. Das ist der Lollipop-Effekt.
Warum funktioniert das?
Cannabis-Pflanzen sind energieeffizient. Sie investieren in das, was Licht bekommt. Wenn du die unteren Äste weglässt, zwingst du die Pflanze, ihre Ressourcen auf die oberen Knospen zu konzentrieren. Das führt zu:
- Dichteren, größeren Blüten an der Spitze
- Besserer Luftzirkulation - weniger Schimmelgefahr
- Leichterem Zugang zur Pflanze für Pflege und Kontrolle
- Effizienterer Nutzung von Licht und Dünger
Studien aus der Cannabis-Forschung in Kanada und den Niederlanden zeigen, dass Pflanzen, die während der frühen Blüte lollipoppt wurden, bis zu 20 % mehr THC in den oberen Knospen produzierten - ohne dass die Gesamtmenge an Biomasse sank. Der Schlüssel liegt in der Konzentration, nicht in der Masse.
Wann solltest du es NICHT tun?
Nicht jede Pflanze profitiert von Lollipopping. Vermeide es, wenn:
- Du eine kleine oder schwache Pflanze hast - sie braucht jede Blätterfläche, um Energie zu sammeln.
- Du in einem sehr lichtarmen Raum anbaust - dann brauchst du jede verfügbare Blätterfläche, um Licht zu fangen.
- Du eine Sativa-Sorte anbaust - diese sind oft hoch und dünn, mit vielen langen Ästen. Lollipopping kann sie instabil machen.
- Du bereits Stresssymptome wie gelbe Blätter oder langsames Wachstum siehst - dann ist die Pflanze bereits überlastet. Ein weiterer Schnitt könnte sie zum Absterben bringen.
Indica-Sorten und Hybrid-Sorten mit kompaktem Wuchs profitieren am meisten. Sorten wie Northern Lights, Blue Cheese oder Gelato sind dafür ideal. Sie wachsen breit, haben viele untere Äste - und genau dort lohnt sich das Lollipopping.
Was passiert, wenn du es falsch machst?
Ein zu aggressives Lollipopping kann die Pflanze in einen Schockzustand versetzen. Sie stoppt das Wachstum, die Knospen entwickeln sich langsamer, oder sie produzieren weniger Harz. Manche Pflanzen reagieren mit einer verzögerten Blüte - bis zu zwei Wochen Verzögerung sind möglich.
Ein weiteres Risiko: Wenn du zu viel Laub entfernst, wird die Pflanze nicht mehr genug Transpiration betreiben. Das führt zu einem Ungleichgewicht in der Wasseraufnahme und kann zu Hitzestress führen - besonders bei starken Lampen. Die oberen Blüten können verbrennen, obwohl sie eigentlich geschützt sein sollten.
Deswegen: Weniger ist mehr. Wenn du unsicher bist, schneide nur 30 % der unteren Blätter ab. Warte drei Tage. Beobachte. Dann entscheide, ob du mehr entfernen willst.
Wie sieht die Ernte danach aus?
Die Ernte nach Lollipopping ist nicht größer - aber konzentrierter. Du bekommst weniger Gesamtgewicht, aber ein höheres Verhältnis von Blüten zu Blättern. Die Knospen sind dichter, klebriger, und oft kräftiger in Farbe und Duft. Sie haben weniger Stängel und weniger trockenes Laub, das du beim Trocknen und Schneiden entfernen musst.
Ein erfahrener Anbauer aus Berlin berichtete, dass er nach Lollipopping seine Trockenzeit um 3-4 Tage verkürzen konnte - weil weniger feuchtes Laub im Trockenraum war. Das reduzierte die Schimmelgefahr deutlich. Und das Endprodukt war sauberer, geschmackvoller und hatte weniger Grasgeschmack.
Alternativen zum Lollipopping
Nicht jeder will lollipoppen. Es gibt andere Methoden, um die Energie der Pflanze zu steuern:
- ScrOG (Screen of Green): Ein Netz über der Pflanze, das die Äste gleichmäßig verteilt - ideal für große Anlagen.
- Low-Stress Training (LST): Die Äste werden sanft gebogen und festgeklemmt - fördert gleichmäßiges Licht.
- Supercropping: Die Stängel werden leicht gedrückt, um die Durchblutung zu erhöhen - steigert die Nährstoffaufnahme.
Wenn du dich für Lollipopping entscheidest, dann als Ergänzung - nicht als Ersatz. Kombiniere es mit LST, und du bekommst eine Pflanze, die optimal Licht und Energie nutzt.
Praxis-Tipp aus Stuttgart
In meiner eigenen Anlage in Stuttgart nutze ich Lollipopping nur bei Hybrid-Sorten mit kompaktem Wuchs. Ich schneide immer nach dem zweiten Wochenende der Blüte. Ich lasse die obersten 10-15 cm komplett unberührt - das ist die Krone. Alles darunter ist weg. Ich verwende immer eine saubere, scharfe Schere - und nie eine Gartenschere. Die ist zu grob und reißt die Äste auf.
Ich beobachte die Luftfeuchtigkeit danach besonders genau. Wenn sie über 60 % steigt, drehe ich die Entfeuchter hoch. Ein Lollipop ist nur so gut wie die Luft, die ihn umgibt.
FAQ
Kann man Cannabis während der Blüte lollipoppen?
Ja, aber nur in den ersten 10-14 Tagen der Blüte. Zu diesem Zeitpunkt sind die unteren Äste noch nicht voll ausgereift, und die Pflanze kann sich schnell an die Veränderung anpassen. Später kann es zu Stress und Ertragseinbußen kommen.
Welche Sorten eignen sich am besten für Lollipopping?
Indica-Sorten und kompakte Hybride wie Northern Lights, Blue Cheese, Gelato oder Purple Punch profitieren am meisten. Sie wachsen breit und haben viele untere Äste, die wenig Licht bekommen. Sativa-Sorten mit hohen, dünnen Stängeln sind weniger geeignet.
Wie viel Laub sollte man entfernen?
Entferne alle Blätter und schwachen Äste unterhalb der mittleren Hälfte der Pflanze. Behalte nur die starken Zweige, die direkt unter den obersten Knospen sitzen. Ein guter Leitfaden: Wenn du von unten schaust, solltest du nur noch den Stamm und die obersten 30-40 cm mit Blüten sehen.
Kann Lollipopping den THC-Gehalt erhöhen?
Ja, indirekt. Durch die Konzentration der Energie auf die oberen Knospen erhöht sich der THC-Gehalt in diesen Bereichen - oft um bis zu 20 %. Die Gesamtmenge an THC bleibt gleich, aber sie ist konzentrierter. Die unteren, schwachen Blüten, die oft weniger THC enthalten, werden entfernt.
Was ist der größte Fehler beim Lollipopping?
Zu viel zu früh zu schneiden. Viele Anbauer entfernen zu viele Blätter, bevor die Pflanze stabil ist. Das führt zu Stress, langsamerem Wachstum und manchmal sogar zu einer Verzögerung der Blüte. Weniger ist mehr - und immer mit sauberen Werkzeugen arbeiten.
Was kommt als Nächstes?
Nach dem Lollipopping geht es weiter mit der Kontrolle der Luftfeuchtigkeit, der Düngung und der Lichtperiode. In den letzten zwei Wochen vor der Ernte solltest du auf Nährstoffe verzichten - das ist die sogenannte Spülphase. Sie reinigt die Pflanze von überschüssigen Mineralien und verbessert den Geschmack.
Wenn du Lollipopping erfolgreich umgesetzt hast, wirst du sehen: Die Ernte ist nicht nur größer - sie ist besser. Sauberer. Konzentrierter. Stark. Und das alles ohne zusätzliche Lampen, Dünger oder teure Technik. Nur mit einem einfachen Schnitt und einem klaren Ziel.